Bild des Monats:

Andreas Skrenty - April 2020
Abschied und Neubeginn

Olympus OM-DE, M10 Mark II, F/6,7, 1/200 sec., ISO 200, 28mm

Dieses Bild ist ein Tiefstapler und sieht auf den ersten Blick unspektakulär aus, aber je länger man es betrachtet, desto mehr rätselhafte Symbolik und desto mehr "Bilder im Bild" entdeckt man darin: Spiegel­ungen verwirren den Be­trachter, erzeugen neue Ebenen und veranlassen ihn, sich in­tensiver mit dem Bild zu beschäftigten. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe keine Erklärung gefunden, wie es ent­standen sein könnte.

Da ist zunächst die marode Schaufensterscheibe, deren Rahmen abblättert und von der Zeit "angenagt" ist. Im Raum, in den wir schauen, steht eine Leiter, die darauf hindeutet, dass hier etwas renoviert und erneuert wird. Zwei leere Pappbecher unterstreichen das Verlassen sein und verweisen auf die Vergangenheit.

In einer weiteren Ebene des Bildes sieht man scherenschnittartige Umrisse von stilisierten Personen. Besonders auffällig ein Paar, das sich wie beim Tanzen gegenüber steht und sich anschaut. Man könnte vermuten: Ein in Corona-Zeiten "verbotenes" Treffen? Auch eine Spiegelung des Himmels ist er­kenn­bar. Das Bild hat eine melancholische Grundstimmung und der Titel tut sein Übriges dazu: Abschied und Neubeginn.

Der Fotograf sagt selbst dazu: "Was man sagen kann ist, dass keine gezielte Suche nach dieser Art von Motiven vorausging. Also eher ein Zufallsprodukt". Ein Zufallsprodukt ist es aber eher nicht, denn die Kunst, so ein Motiv zu erkennen und es in dieser Art ab­zu­lichten, hat nichts mit Zufall, sondern mit Intuition und foto­grafisch geschultem Blick zu tun. Dieses Bild, das die meisten unserer Foto­grafinnen und Foto­grafen beschäftigt hat, fällt zurzeit auf besonders fruchtbaren Boden. Unser Fotoclub-Mitglied Hans Kirsch schrieb dazu treffend: "Das Bild zeigt aus meiner Sicht die aktuelle Corona-Situ­ati­on. Der Wunsch nach sozialer  Nähe und der notwendigen Distanzierung. Alles hinter Glas und Folie."

Dieses Bild ist für mich ein sehr gelungenes Beispiel dafür, wie aktuelle Ereignisse künstlerisch ver­ar­bei­tet und auf ein abstraktes Niveau gehoben werden können. (Text:Anja Bender)

Info:

In unserer monatlichen Gruppensitzung kann jedes Mitglied ein Bild seiner Wahl zur Besprechung vorstellen. Gemeinsam besprechen wir diese Fotos nach formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten, z.B. ob der Bildausschnitt und die Bildkomposition gut gewählt sind, ob die Perspektive die Bildaussage unterstreicht, ob das Zusammenspiel von Schärfe und Unschärfe gut gewählt ist, ob die Kontraste zu stark oder zu schwach sind, ob die Farbsättigung optimal ist, ob das Bild besser in Farbe oder Schwarz/Weiß wirkt, welche Stimmung das Foto vermittelt, ob das Bild eine Geschichte erzählt und vieles mehr.

Von allen eingereichten Fotos wird eines als Bild des Monats ausgewählt und sowohl hier auf der Startseite der Homepage als auch in unserem Newsletter veröffentlicht.

Kommentare dazu können unter info@pentaprisma.de gerne abgegeben werden.